
Analyse des europäischen Risikokapital-Ökosystems: Investitionen, Mittelbeschaffung, Ausstiege, aufstrebende Sektoren und die Auswirkungen des Irankonflikts auf die Märkte.
Der europäische Risikokapitalmarkt schloss 2025 mit 66,2 Milliarden Euro investiert, ein Wachstum von 5% gegenüber dem Vorjahr, womit das zweite Jahr in Folge der Erholung nach dem Zusammenbruch von 47% seit dem Höhepunkt von 2021 konsolidiert wurde. Hinter den aggregierten Zahlen verbirgt sich jedoch eine komplexere Realität: Die Zahl der Transaktionen fiel im vierten Jahr in Folge auf 8.626, den zweitniedrigsten Stand des letzten Jahrzehnts. Das Kapital konzentriert sich auf weniger und größere Transaktionen.
KI wird zum dominierenden Sektor
Künstliche Intelligenz absorbiert 23.500 Millionen Euro — 35,5% des gesamten eingesetzten Kapitals — und wurde zum ersten Mal zum führenden Ökosystemsektor. Innerhalb von SaaS selbst gibt es eine ausgeprägte Gabelung: KI-native Unternehmen wie Palantir (+142%) oder Sierra weichen radikal von älteren SaaS-Plattformen wie HubSpot (-51%) oder Salesforce (-31%) ab.
Fundraising auf Rekordtiefstständen
Die Beschaffung neuer Mittel war 12 Milliarden Euro, der niedrigste Stand seit einem Jahrzehnt. Nur 148 Fonds wurden geschlossen — das Rekordtief — und keiner überstieg 1 Milliarde. Das Verhältnis zwischen eingesetztem und eingeworbenem Kapital erreichte das 5,5-Fache, verglichen mit dem 3,2-fachen im Jahr 2024. Dies könnte innerhalb von 18 bis 24 Monaten zu einer gravierenden Kapitalknappheit führen, wenn sich die Mittelbeschaffung nicht erholt.
Verteidigungs- und Klimatechnologie: Sektoren im Wandel
Die Verteidigungstechnologie wuchs in der ersten Jahreshälfte um 26%, wobei Helsing eine Bewertung von 12 Milliarden Euro erreichte. Die Investitionen in autonome Systeme stiegen weltweit um 143% Im Gegensatz dazu fielen die Ausgaben für Klimatechnologien im Jahr 2025 von 32% auf 15% der europäischen Finanzierung, obwohl der neue Energiekontext diesen Trend umkehren könnte. Europa bleibt mit 54% des eingeworbenen Kapitals weltweit führend bei der Mittelbeschaffung zum Klimaschutz.
Ergebnisse: nominale Verbesserung, reale Schwäche
Der Wert der Abflüsse erreichte 52.000-55.000 Millionen Euro, aber der Börsengang von Klarna in Höhe von 12.700 Millionen Euro macht etwa ein Viertel der Gesamtsumme aus. Ohne Klarna wäre der Wert der Exits gegenüber dem Vorjahr um 15,3% gefallen. Mehr als 85% der Ausstiege erfolgten durch Übernahme und nur 2% durch Börsengang. Die Verhandlungsmacht konzentrierte sich auf Unternehmenskäufer — hauptsächlich Amerikaner.
Spanien: Dynamik jenseits seines historischen Potenzials
Spanien sammelte 2025 2,9 Milliarden Dollar ein und ist damit das sechstgrößte europäische Land in Bezug auf Risikokapitalinvestitionen mit einem Wachstum von 18% gegenüber dem Vorjahr. Südeuropa zeigte sich mit +26,3% am dynamischsten, und in den ersten Runden der internationalen Serie A entfielen 5,5% auf Spanien. Das Land ist jedoch immer noch untergewichtig: Mit 8-12 aktiven Einhörnern macht es etwa 2-3% der europäischen Gesamtzahl aus.
Der Iran-Konflikt: Eine neue Ebene der Unsicherheit
Die militärischen Angriffe vom 28. Februar 2026 auf den Iran führten zu einem Anstieg der europäischen Gaspreise um 60-75% und zur Unterbrechung von 20% der weltweiten Ölversorgung, die durch die Straße von Hormuz fließt. Für das VC-Ökosystem werden die Auswirkungen durch höhere Betriebskosten für energieintensive Startups, potenzielle Änderungen bei der Kapitalallokation von LPs und einen noch eingeschränkteren Ausstiegsmarkt kanalisiert. Die Sektoren Verteidigungstechnologie und Energieeffizienztechnologien haben sich als die Sektoren herausgestellt, die am unmittelbarsten davon profitiert haben.

[→ Zur vollständigen Analyse: Europäischer Risikokapitalmarkt 2025-2026]







